
Werte Leser,
lassen Sie uns gemeinsamen den Bezirk Zlín mit seinen drei historisch und volkskundlich eigenständigen Regionen, der Mährischen Slowakei, der Hanna-Ebene und der Mährischen Walachei, besuchen, die jeweils mit ihrer Eigenart und Kultur einen weidlichen Beitrag zu unserem gemeinsamen Bezirk leisten. Der Aufschwung von Zlín und der Umgebung weit und breit wurde in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts nachhaltig vom weltweit anerkannten Schuhfabrikanten Tomáš Baa beeinflusst. Doch das dürfte allgemein bekannt sein, und so gestatten Sie mir zunächst, Sie in unsere Bezirksmetropole einzuladen.
Die Stadt Zlín wird in erster Linie von funktionalistischen Bauten der ruhmreichen Ära der aufholenden Bata-Werke charakterisiert, aber für eine reiche Stadtgeschichte in früheren Zeiten steht hier ein Barockschloss ein. In der Stadtumgebung verdienen das Schloss, der Park und der Zoo von Lešná Aufmerksamkeit, die nicht nur der Stadtbevölkerung von
Zlín als bevorzugter Ausflugsort dienen. Nicht zu vergessen ist das nahe gelegene Otrokovice, dessen Antlitz ähnlich wie bei Zlín vom Unternehmergeist des Tomáš Baa geprägt wurde. Der Bezirk Zlín besticht überhaupt mit einer Vielfalt, und so lassen Sie uns den Weg zu seinem Kennenlernen einschlagen.
Unterwegs aus Zlín in die Mährische Slowakei darf das Bad Luhaèovice, der bedeutendste Kurort Mährens, nicht unbeachtet bleiben; wer würde nicht die hiesige Mineralquelle Vincentka kennen? Architekturfeinschmecker würdigen typische Bauwerke von Jurkoviè und alle Besucher wohl die ausgezeichneten Freizeitmöglichkeiten, die in den umliegenden Wäldern und am nahe gelegenen Stausee Luhaèovice in Pozlovice winken. Von Luhaèovice führt unser Weg in das Grenzgebirge des Landschaftsschutzgebietes Bílé Karpaty (Weiße Karpaten) vorbei an Bojkovice, über dem sich die zum romantischen Schloss umgebaute ursprüngliche Burg Nový Svìtlov erhebt. Die Stadt Brumov-Bylnice liegt am Vlára-Fluss, der durch den
Vlára-Pass dem Fluss Waag in der Slowakei zustrebt und den Bereich der Euroregion Bílé Karpaty/ Biele Karpaty charakterisiert, was gleichermaßen für die höchste Bodenerhebung dieses Gebirgszuges Velká Javoøina gilt, die seit 1848 für das brüderliche Verhältnis der Tschechen und Slowaken einsteht.
Beim Abstieg von den Weißen Karpaten erblickt man die Berggemeinden von Moravské Kopanice mit ihrer charakteristischen Weilerbauweise, um den Ostabschnitt der Mährischen Slowakei zu erreichen, die uns todsicher mit funkelndem mährischem Wein oder gar mit dem Sliwowitz (Pflaumenschnaps) begrüßen wird. Die Stadt Uherský Brod erinnert wohl schon von ihrem Namen her an die Nähe der einstigen ungarischen Grenze ("uherský" = ungarisch), ist aber in erster Linie mit dem Namen von Jan Amos Komenský (Comenius) verknüpft. Wer mit der örtlichen Folklore näher vertraut werden möchte, der besucht unbedingt das mährisch-slowakische Dorf Vlènov; das hiesige Fest ist der alljährliche Königsritt. Die Metropole derMährischen Slowakei ist zweifelsohne Uherské Hradištì, eine altehrwürdige Stadt am Flusslauf der March. Staré Mìsto jenseits des Flusses belegt die tausendjährige Geschichte der slawischen Besiedlung mit Altertümern aus der Zeit des Großmährischen Reiches. Wenn man von der March den Weg in die Chøiby-Rücken einschlägt, passiert man die monumentale Barockkirche des bedeutenden Wallfahrtsortes Velehrad. Entschieden ist eine Zwischenstation am Kleinod der mährischen Barockarchitektur, dem Schloss Buchlovice, einzulegen; es diente als Sommerresidenz dem Adel, der die Winterzeit in der heute besterhaltenen Burg Mährens Buchlov verbrachte.
Wenn man die Chøiby-Rücken überschritten hat, die die Mährische Slowakei von der Hanna-Ebene trennen, steigt man hinab zu einer der herrlichsten Städte des Landes überhaupt, dem mit Recht als "hannakisches Athen" apostrophierten Kromìøíž. Kein Wunder, dass der Schatz seines Schlossareals und der Schlossgärten 1998 in das UNESCO-Denkmalverzeichnis aufgenommen
wurde. Das Schloss Kromìøíž diente als Repräsentationssitz den Olmützer Erzbischöfen und kann sich überdies einer europaweit einmaligen Gemäldekollektion rühmen. Aus dem Ostabschnitt der Hanna-Ebene nehmen wir Kurs auf das altehrwürdige Holešov mit den wertvollen Baudenkmälern des Barockschlosses sowie der Schach-Synagoge mit einer ständigen Ausstellung über die Geschichte der Juden in Mähren. Auf dem weiteren Weg aus Holešov wird der Höhenzug Hostýn-Berge überschritten; der hl. Hostýn mit einer barocken MariäHimmelfahrts-Kirche ist ein bekannter Wallfahrtsort.
Die Mährische Walachei erreichen wir in der urwüchsigen Gemeinde Rusava. Die Stadt Vizovice verdankt ihren Ruf vor allem dem Brennen eines köstlichen Pflaumenschnapses. Der örtliche Park mit seinem Schloss nd Gärten empfiehlt sich ferner als weckdienliches Rehabilitationsmilieu inmitten der Natur. Die mährisch-walachischen emeinden Valašská Polanka und Lideèko führen uns schon in den bergigen Abschnitt der Region, in das Schutzgebietder Beskiden. Die Pulèín-Felsen und Teufelsfelsen bei Lideèko wurden ihrer unstreitigen Attraktivität wegen zum nationalen Schutzgebiet erklärt. Den natürlichen Mittelpunkt der Mährischen Walachei bildet die Stadt Vsetín, die uns ein kurzes Verweilen wert sein soll. Die im Beèva-Flusstal liegende und von den Vsetín-Bergen umgebene Stadt wird als Ausgangspunkt zu den Wanderwegen der Beskiden in Anspruch genommen. Wir folgen zunächst der typischen mährisch-walachischen Architektur der Gemeinden Nový Hrozenkov, Karolinka und Velké Karlovice. Ein weiteres herrliches Ausflugsziel bildet der Berg Soláò mit wunderbarem Rundblick, u. a. über das Erholungsgebiet um Hutisko-Solanec bis zur Beèva-Talsperre im Norden, die im Sommer willkommene Erfrischung bietet. Von der Prostøední Beèva aus führt der Aufstieg zu Pustevny im Radhoš-Massiv. Der Sattel zwischen dem legendären Radhoš und dem weiteren Berg Taneènice gilt als die meistbesuchte Stätte der Beskiden. Die im byzantinischen Stil erbaute Kapelle der hl. Kyrill
und Method erinnert an das Wirken der slawischen Glaubensverkünder.
Allmählich steigen wir vom Radhoš in die Stadt Rožnov pod Radhoštìm hinab und nehmen die Einladung in das bedeutendste Museum unter freiem Himmel im Lande ein, das 1925 eröffnete Freilichtmuseum Rožnov, nunmehr nationales Kulturdenkmal. Unser Streifzug durch den Bezirk Zlín geht allmählich zu Ende - und wo sonst als im altehrwürdigen Valašské Meziøíèí.
Meine lieben und geschätzten Leser, wenn Sie an unserem Bezirk Zlín Gefallen gefunden haben, so sind Sie auf das herzlichste eingeladen. Es grüßt Sie
Libor Lukáš, 2006
Hauptmann des Bezirkes Zlín